Lärm

Flugzeuge sind laut

Die Flughafenregion ist zwar wirtschaftlich attraktiv. Doch wer dort arbeitet, tut gut daran, sich einen Wohnsitz weiter weg zu suchen. In Gemeinden wie Höri, Stadel oder Nüerensdorfzum Beispiel donnern die Jets im Minutentakt so tief über die Hausdächer, dass man meint, den Kopf einziehen zu müssen. Gespräche im Freien sind kaum noch möglich, wenn gerade ein Start erfolgt ist oder eine Landung ansteht. Schlafen lässt sich höchstens bei geschlossenen Schallschutzfenstern – im Sommer keine angenehme Option.

Es ist erwiesen, dass Lärm bereits ab 40 Dezibel krankmacht. Die derzeit gültige Lärmschutzverordnung lässt aber bis zu 55 Dezibel zu. Und sogar diesen Grenzwert will die Flughafen Zürich AG nicht akzeptieren und überschreitet ihn tagsüber häufig.

Der sogenannte Zürcher Fluglärm Index (ZFI) – ein kompliziertes Berechnungskonstrukt – besagt, dass höchstens 47 000 Anwohnerinnen und Anwohner stark von Fluglärm belästigt sein dürfen. Seit dem Inkrafttreten des ZFI 2007 wurde dieser Richtwert ständig überschritten und liegt derzeit bei rund 65 000 belärmten Personen. Die Zahl ist stark von der Anzahl Flugbewegungen abhängig, aber auch von der Gestaltung der Flugrouten sowie dem Bevölkerungswachstum in den betroffenen Gebieten. Obwohl in stark belasteten Quartieren ein Stopp für Wohnbauten gilt.

Oft nur sechs Stunden Schlaf möglich

Sehr oft nicht eingehalten wird auch die siebenstündige Nachtruhe. Zwischen 23 und 6 Uhr sollte eigentlich Stille am Himmel herrschen, sodass die Bevölkerung schlafen kann. Doch sehr häufig zieht sich das Dröhnen und Brummen über den Dächern bis mindestens 23.30 Uhr hin. Die Begründung ist stets dieselbe: Verspätungsabbau. Und dieser hat System: Der Flugplan ist so eng getaktet, dass bereits das kleinste Ereignis zu Verspätungen führt. Und sogar die Ausnahmebewilligungen, die es für Flüge nach 23.30 braucht, werden relativ grosszügig erteilt. Eine durchschnittliche erwachsene Person braucht aber acht Stunden Schlaf, Kinder deutlich mehr. Fair in Air fordert deshalb eine Nachtruhe von 22 bis 7 Uhr.

Im Sommer 2018 hat das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) von der Flughafen AGverlangt, dass sie den Flugverkehr in den Abend- und Nachtstunden besser in den Griff bekommt. Ab Sommer 2019 darf sie keine zusätzlichen Landungen nach 21 Uhr zulassen. Damit soll die Praxis des Verspätungsabbaus eingeschränkt werden. Zudem muss der Flughafen neue Lärmberechungen einreichen. Vonseiten des Bundesrats ist aber kaum zu erwarten, dass er die Entwicklung des Flughafens stark einschränken wird.

Klar ist: Mit immer mehr und günstigeren Flugreisen kann die Bevölkerung rund um den Flughafen nicht vor Lärm geschützt werden. Neuere Flugzeuge sind zwar tendenziell etwas leiser als alte, doch durch die steigenden Flugbewegungen bleibt die Belastung beträchtlich.

Ebenfalls keine Lösung ist es, die Lärmbelastung zwischen den verschiedenen Himmelsrichtungen rund um den Flughafen hin- und herzuschieben. Fair in Air setzt sich deshalb gemeinsam mit anderen Organisationen für eine Reduktion des Lärms und anderer Emissionen ein.

%d Bloggern gefällt das: