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Medienmitteilung 3.4.2019

Ausverkauf bei der Klima-Kompensation

Seit Kurzem kann man auf dem Online-Buchungsportal der Swiss seine Flug-Emissionen kompensieren – die Beträge sind allerdings viel tiefer als anderswo.

Nun hat sich auch die Fluggesellschaft Swiss ein grünes Mäntelchen umgelegt: Beim Online-Kauf eines Flugtickets bietet sie eine Kompensation der entstehenden Kohledioxid-Emissionen an. Für einen Flug nach New York sind dies 9 Franken. 9 Franken? Für diesen Betrag erhält man hierzulande knapp zwei Tassen Kaffee. Wie kann es sein, dass die Emissionen eines Langstreckenflugs mit einer Distanz von 6300 Kilometern mit so wenig Geld abgegolten sein sollen? Ist doch der Luftweg bekanntlich die klimaschädlichste Art zu reisen.

Einen deutlich höheren Betrag berechnet für die gleiche Distanz die Stiftung Myclimate. Soll mindestens die Hälfte des Geldes in Schweizer Klimaprojekte fliessen, fallen 105 Franken an. Erfolgt die Kompensation ausschliesslich in Entwicklungs- und Schwellenländern, sind es 34 Franken.

Obwohl die Swiss denselben Rechner benutzt wie Myclimate, kommt sie auf einen rund dreimal tieferen CO?-Ausstoss: Gemäss Angaben der Fluggesellschaft entstehen bei einem Flug nach New York lediglich knapp 0.4 Tonnen CO?, während es bei Myclimate 1,2 Tonnen sind.

Wieso also mehr bezahlen, wenn das gute Gewissen für weniger als eine Zehnernote zu haben ist, wird sich so mancher Flugpassagier denken – und über den Wolken entspannt an seinem Campari Soda nippen. Wobei: Lediglich eine von hundert Personen nimmt die Kosten eine Kompensation überhaupt auf sich.

Greenwashing statt wirksames Instrument

Das Angebot der Swiss ist kein Beitrag zum Klimaschutz, sondern eine Täuschung der Kunden. In der Schweiz stammen bereits gegen 20 Prozent der gesamten CO? Emission aus dem Flugverkehr. Zum Vergleich: Der Verkehr auf der Strasse trägt einen Anteil von 27 Prozent. Damit die Schweiz ihre Klimaziele erreicht, muss auch der Luftverkehr seinen Beitrag leisten. Weil auf Kerosin weder Mehrwertsteuer noch Umweltabgaben erhoben werden, hat die Fliegerei einen markanten preislichen Vorteil gegenüber der weit umweltfreundlicheren Bahn.

Die Organisation Fair in Air verlangt deshalb von der Politik, eine fixe Abgabe für alle einzuführen. Zusätzlich zu einer obligatorischen Klimakompensation soll auf Flugtickets eine Lenkungsabgabe erhoben werden, die an die gesamte Bevölkerung zurückerstattet wird. «Kompensieren ist gut», hält Flugemissionsfachmann Fritz Kauf fest. «Viel besser ist es aber, auf Flugreisen zu verzichten.»

Auskünfte: Fritz Kauf, Tel. 079 252 74 37, Mail: fritz.kauf@bluewin.ch

Die Organisation „Fair in Air – Powered bei BFO“ ist aus dem Verein Bürgerprotest Fluglärm Ost hervorgegangen, der sich im Osten des Flughafens seit Jahren für eine erträglichere Belastung mit Flugemissionen einsetzt.

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