Finanzen

Preisdumping

Fliegen ist viel zu billig geworden

Lediglich rund 100 Franken kostet heutzutage ein Hin- und Rückflug nach London, Berlin oder Barcelona. Kurzfristige Schnäppchen sind oft sogar noch günstiger zu haben. Nicht nur Billiganbieter, sondern sogar die Swiss, bieten mittlerweile Langstreckentickets nach Nordamerika oder Asien für deutlich unter 500 Franken an. Kein Wunder, dass das Herumjetten in der ganzen Welt so beliebt geworden ist. Doch den Preis dafür zahlt das Klima.

Besonders stossend ist, dass der Flugverkehr das in der Verfassung verankert Verursacherprinzip massiv verletzt: Während Zug- und Autofahrende sowie Hausbesitzer und Mieter verschiedene Abgaben und Steuern bezahlen, ist das Freizeitvergnügen über den Wolken steuerbefreit. Fliegen wird geradezu subventioniert. Das ist unfair!

Umweltfreundlichere Alternativen wie etwa Bahnreisen oder Inlandferien können mit den günstigen Angeboten der Billigfluglinien und Pauschalarrangements nicht mithalten. Dies verzerrt den Wettbewerb aufs Gröbste.


Ticketabgabe

Fliegen muss endlich einen fairen Preis haben

Verschiedene Länder kennen bereits Flugticket-Abgaben. Insbesondere Grossbritannien hat ein griffiges System eingeführt, das Flugpassagiere in die Pflicht nimmt. In der reichen Schweiz dagegen – ein Land von Vielfliegern – hatte das klimapolitisch wichtige Instrument bis anhin keine Chance. In der Debatte über das CO₂-Gesetz versenkten bürgerliche Politiker das Anliegen mit fadenscheinigen Argumenten.

Kompensieren und lenken

Damit die Schweiz ihre Klimaziele einhalten kann, braucht es endlich eine griffige Abgabe auf Flugtickets! Dafür sind zwei Komponenten nötig:

  1. Eine Klimaabgabe: Sie soll in der Grössenordnung der bereits bestehenden freiwilligen Kompensationen liegen, wie sie etwa die Organisation Myclimate anbietet. Mindestens die Hälfte des Betrags soll in Klimaschutzprojekte im Inland investiert werden.
  2. Eine Lenkungsabgabe: Sie soll zusätzlich zur Klimaabgabe erhoben werden und Flüge in einem Ausmass verteuern, dass Zugfahrten und Inlandferien wieder konkurrenzfähig werden und tatsächlich weniger geflogen wird. Die Lenkungsabgabe ist sozialverträglich, da sie vollumfänglich an die Bevölkerung zurückerstattet wird. Zum Beispiel über die Krankenkassenprämien, wie es bereits seit Langem mit den Abgaben auf umweltbelastenden Stoffe geschieht.

CORSIA wird es nicht richten

Die Flugbranche will uns weismachen, das Problem sei mit dem internationalen Luftfahrtsabkommen CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) bereits gelöst. Dies ist Augenwischerei. Zwar haben sich mit CORSIA 191 Staaten verpflichtet, die Emissionen des Flugverkehrs zu reduzieren. Doch das Programm gleicht einem zahnlosen Tiger: Erst ab 2021 sollen die Fluglinien in einer freiwilligen Phase ihre Emissionen schrittweise kompensieren, indem sie Zertifikate erwerben. Verpflichtend ist diese Praxis erst ab 2026. Die Entwicklungsländer bleiben vorerst ausgeklammert.

Das Instrument der CO₂-Zertifikate ist zudem nur begrenzt wirksam. Wenn künftig zahlreiche Industriezweige sowie die gesamte Flugbranche auf die Kompensation ihrer klimawirksamen Emissionen setzen, werden ziemlich sicher zu wenig sinnvolle Projekte zur Verfügung stehen. Es braucht eine Reduktion der Flüge, nicht bloss eine Kompensation.


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