Alternativen und Lösungen

Auf der Schiene statt über den Wolken 

Fliegen ist billig und einfach. Deshalb benutzen heute die meisten das Flugzeug, wo früher ein Zug zur Verfügung stand. Vor wenigen Jahren konnte man zum Beispiel noch bequem im Nachtzug von Zürich nach Kopenhagen fahren, ohne einmal umzusteigen. Heute dauert die Reise mehr als 17 Stunden – inklusive fünfmal umsteigen, zum Teil mitten in der Nacht. Auch nach Barcelona ist die Bahnreise komplizierter geworden. War früher ein durchgehender Nachtzug verfügbar, so fährt man heute tagsüber und verliert dabei je einen Ferientag auf der Hin- und Rückreise. Für die elfstündige einfache Fahrt zahlen Zugpassagiere mit Halbtax-Abo rund 200 Franken. Flüge gibt es derweil bereits ab 38 Franken im Angebot. Dies tun sich nur noch Hardcore-Umweltschützer an. 

In den letzten Jahren haben die SBB und die Deutsche Bahn zahlreiche Nachtzug-Angebote abgeschafft. Mit dem Effekt, dass das Zugfahren gegenüber dem Fliegen deutlich an Attraktivität eingebüsst hat. Auch vom Preis her kann die Bahn häufig nicht mit dem Luftverkehr mithalten. 

Von Genf nach Zürich im Flieger 

Geflogen wird sogar auf Strecken, bei denen der Vorteil kaum ersichtlich ist. Sogar innerhalb der kleinen Schweiz sind Inlandflüge keine Seltenheit. Gemäss Bundesamt für Statistik jetteten 2018 über 700 000 Passagiere von Zürich nach Genf, Sitten oder Lugano beziehungsweise zurück. Zu einem grossen Teil handelt es sich um Personen, die per Flieger vom Flughafen Zürich kommen oder dort einen Anschlussflug erreichen wollen. Dennoch wäre der Zug auch für diese Kundschaft eine schnellere, günstigere und vor allem umweltfreundlichere Alternative. Inklusive Einchecken und Sicherheitskontrolle dürfte die Flugreise in der Regel sogar mehr Zeit beanspruchen als die Bahnfahrt.

Obwohl seit über 20 Jahren über Massnahmen zum Klimaschutz diskutiert wird, ist die Entwicklung im Bereich Verkehr in dieser Zeitspanne diametral in die falsche Richtung gelaufen. Galt ein Flug früher noch als etwas Spezielles, das man sich als Ausnahme leistet, so ist es heutzutage für viele das Normalste und Alltäglichste geworden.

Gleichlange Spiesse schaffen 

Will die Schweiz ihre Klimaziele erreichen, muss auch die SBB in die Pflicht genommen werden. Schliesslich ist sie kein unabhängiger, rein marktwirtschaftlich geführter Betrieb, sondern gehört vollumfänglich dem Schweizerischen Staat. Politiker sollten deshalb dafür sorgen, dass der vergleichsweise umweltfreundliche Schienenverkehr erhalten und ausgebaut wird. Die SBB müssen in Zusammenarbeit mit ausländischen Bahnbetrieben mehr attraktive Verbindungen innerhalb Europa anbieten. Fair in Air unterstützt entsprechende politische Forderungen.

Statt über einbrechende Buchungen wegen der Klima-Demonstrationen zu jammern, sollten sich Reiseveranstalter vermehrt auf klimafreundliche Angebote konzentrieren. Anstelle des Pauschalarrangements auf den Kanarischen Inseln könnten sie attraktive Ferien in den Schweizer Bergen oder im nahen Ausland per Zug anbieten. Die heimischen Tourismusbetriebe würde es ihnen danken.

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